Jugend rettet

Am Montag waren wir im EJE-Café der Evangelischen Jugend Essen und  trafen Philip Ott, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter bei „Jugend rettet“. Diese Jugendorganisation half mit einem eigenen, aus Spenden finanzierten Schiff Flüchtlinge, die auf dem Mittelmeer in Not sind. Philip führte uns ein in die aktuelle Situation auf dem Mittelmeer und erklärte, wie schwierig es ist, Menschen auf hoher See zu retten. Es war beeindruckend zu erfahren, unter welch gefährlichen Bedingungen Flüchtlinge unterwegs sind und wie viele auf solchen Überfahrten ihr Leben lassen. Seit Monaten ist das Rettungsschiff Iuventa von den italienischen Behörden beschlagnahmt. Seitdem versucht die NGO „Jugend rettet“ durch Informationsarbeit und Kampagnen nach neuen Wegen, Menschen auf dem Mittelmeer zu helfen.

Die Teilnehmenden der internationalen Begegnung „Partners in Peace“ waren beeindruckt von der Arbeit von „Jugend rettet“, Beim anschließenden Mittagessen im EJE-Café wurden noch viele Fragen gestellt und diskutiert.

Weitere Informationen zu Jugend rettet: https://jugendrettet.org/de/

Bis ans Mittelmeer

In Monschau trafen wir eine Gruppe der Evangelischen Jugend Aachen, die zumsammen mit ihrem Jugendreferenten Axel Büker eine Jugendreise entlang der Balkanroute organisiert. Sie wollen diesen Sommer bis nach Griechenland fahren und an den Grenzen sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort machen. Ein spannendes Projekt und großartiger Austausch mit jungen engagierten Menschen.

Mehr dazu unter: http://bisansmittelmeer.de/

Peace starts

The „Partners in Peace“ Meeting has begun. We are a group of 14 Christians, 6 from the United States, 4 from Namibia and 4 from Germany. The first days of our Trip we are around Monschau in the area of the rhinisch church.

My name is Taminkea Rico, today we attended a peaceful protest against nuclear weapons. Gave my own personal input on what type of effects nuclear weapons has on our people, also enviormentally and how we’re affected by it.  To see people come together in a peaceful activist way as we did made it a lot more strong, and molded into one cause and one meaning. Although we may come from different backgrounds and enthicities we had one cause that brought us all together. In my speech I mentioned we are all related and it has a deeper meaning to it than just relation by blood. It is a meaning by we are all connected by the creator who created us as we belong to this earth we in habit and live amongst.  We may view him differently but he is the man above who is our savior.

This is the statement of Samantha, Taminkea and Luisa (translation):

Samantha: „For Centuries the creation of weapons of mass destruction have been used by mankind. But far the most destructive ist the nuclear bomb. Not only are they able to obliterate everything in their path and humans unfortunately enough that „survive“ will die anagonizing death of starvation, radioactive poisoning or cancers. The effects of the nuclear bomb is something we all know and fear for our future generations. It is why most of us are here today. Yet the fallout of a nuclear blast is only one kind of death. The Indigenous people of North America have been living and dying with the fallout from the creation of nuclear power. For decades the United States have mined uranium, one of the key ingredients for making nuclear power. There have been open air mines created next to the homelands of the Inidigenous people of Noth America . They are mined with no concern to the effects upon Native Americans or the contamination of their water, their air or food sources. This has created a host of debilitated diseases for the Native Americans.“

Taminkea: „My Name is Taminkea Rico, I am from the Diné nation in North America. You may know my tribe as Navajo – but we are Diné. I come from a family that has worked in these mines for three generations. Our people have lived and died with the cancers, the high rate of infant mortality, sterilization and blindness, just to name a few from the effects of mining uranium. For the sake of our future and for the future existance of our people still surviving from the effects of building nuclear power. Stand strong against the updating of these nuclear bombs in your area. Remember we are all related. What is done here affects people you don´t even know. Your fear for the future are our reality in our every day lives.

Stop the building of nuclear weapons! Stop nuclear power! Stop uranium mining! Stop the destrucution of our Mother Earth and the people who inhabit her!

Mitakuye Oyasin – All my Relatives.“

Deutsch:

„Seit Jahrhunderten benutzen Menschen Massenvernichtungswaffen. Die gefährlichste von allen ist die Atombombe. Sie kann nicht nur alles in ihrer Umgebung auslöschen, sondern auch die Menschen, die das überleben, sterben einen qalvollen Tod durch Hunger, radioaktive Vergiftung oder Krebs. Wir kennen die Auswirkung und machen uns Sorgen um die zukünftigen Generationen. Darum sind wir heute hier. Der tödiche Niederschlag nach einer Atomexplosion ist nur eine tödliche Konsequenz. Die indigenen Völker in Nordamerika haben ebenfalls mit den Auswirkungen von Atomkraft zu leben und zu sterben. Seit Jahrzehnten bauen die Vereinigten Staaten Uran ab – eine der Bestandteile für Atomkraft. Es gibt offene Minen direkt neben den Gebieten der indigenen Völker. Der Uranabbau findet statt ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für die indigenen Völker oder Vergiftung des Wassers, der Luft oder der Nahrungsmittel. Die Auswirkungen sind dann schwere Krankheiten.

Mein Name ist Taminkea Rico. Ich gehöre zum Volk der Diné in Nordamerika. Bekannt auch unter dem Namen Navajo. Ich komme aus einer Familie, die seit drei Generationen in diesen Minen arbeitet. Unser Volk lebt und stirbt mit Krebs, einer hohen Kindersterblichkeit, Unfruchtbarkeit und Erblindung, um nur einige der Auswirkungen des Uranabbaus zu nennen. Um unserer Zukunft willen und das Überleben unser Volk, doch noch immer mit den Auswirkungen der Atomkraft leben muss. Stellt euch gegen die Erneuerung dieser Atomraketen in dieser Gegend. Denkt daran, wir sind alle miteinander verbunden. Was hier passiert, hat Auswirkung auf Menschen, die wir nicht mal kennen. Eure Angst vor dem was passieren kann ist bei uns schon alltägliche Realität.

Stoppt die Produktion von Atomwaffen! Stoppt die Atomkraft! Stoppt den Uranabbau! Stoppt die Zerstörung unserer Mutter Erde und aller Menschen die auf ihr Leben!

Vielen Dank!“

Dieses Statement wurde auf dem Aktionstag der Kirchen gegen die US – Atomwaffen im Bundeswehrstandort Büchel / Eifel am 7. Juli 2018 abgegeben.

Auf Wiedersehen

JumpAuf Lakota sagt man nicht ‚Goodbye‘ sondern ‚Bis wir uns wiedersehen‘ Nun ist das Abenteuer Partners in Peace 2016 für uns zuende. Auch wenn es nur zwei Wochen waren, so werden wir sie wahrscheinlich immer im Herzen und im Kopf behalten, als eine Zeit, inder wir ca. 3500 km gefahren sind, überall herzlich empfangen wurden und eine Menge über die Art andere Menschen als Ebenbürtige zu behandeln, gelernt haben.
Unsere UCC Partner waren unsere Wegefährten und Diskussionspartner. Peter und Julie, das Herz und die Seele der Fahrt. Glenn und Lisa, die sich um unser Wohlergehen kümmerten. ‚The Don‘, der die Gespräche und Erfahrungen dokumentierte. Jackie forderte uns heraus Gegebenes zuhinterfragen -auch unsere eigenen Einstellungen. Emily und Jorddan diskutierten im Van mit mir über Politik, während Ben, Jan und Kai Julian mit ihrem Gesang die langen Autofahrten um einiges lustiger machten. Constantin, Logan und Mechti waren immer die Ersten um in die Wildniss zu rennen und z.B. einen versunkenen Mercedes im Fluss zu finden. Jenny machte den Aufbau eines riesigen Pavillions für das Mission Meeting möglich und war nie um einen Spruch verlegen. Martin und Claudio haben ihren Job als Begleiter voll ausgefüllt, sie teilten ihr Wissen und ihren Humor mit uns. Wem die Namen nichts sagen und die Beschreibung zu kurz ist, dem sei gesagt, dass es für mich keine passendere Gruppe für diese Reise gegeben hätte. Ein großes Dankeschön daher an alle Beteiligten, die diese Begegnungen möglich gemacht haben. An die UCC, die EKIR, den GMÖ, unseren Native American Partners und jedem einzelnen, der uns vielleicht auch nur beim Lesen dieses Blogs ein Stück weit begleitet hat.

Was nehmen wir nun mit nach Hause? (Außer ungefähr 4 Kilo mehr auf den Rippen, dank der deliziösen amerikanischen Cuisine…) Jeder wird etwas anderes behalten, ich persönlich werde größeres Wissen, neu geknüpfte Kontakte und Respekt gegenüber meinem Leben, dass ich führen darf, mitnehmen.

Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich die Erlebnisse je so in Worte fassen kann, sodass jemand, der nicht dabei war sie ein bisschen nachvollziehen kann. Wie beschreibt man wie Toni Buffalo anfängt zu erzählen und man nicht anders kann als gebannt zuzuhören und ihr jedes Wort glaubt, auch wenn es noch so unglaublich klingt ? Wie kann man in Worte fassen wie trostlos die endlosen Grassflächen des Cheyenne River Reservats im Gegensatz zu den riesigen Wäldern der Black Hills, dem heiligen Land der Lakota, wirken? signature foto (1)

Nie werde ich wirklich beschreiben können, wie es sich anfühlt Angel beim reiten zuzugucken, oder Dough beim predigen. Aber wir werden es versuchen, denn das ist, dass was wir nach dieser Reise tun müssen. Von unseren Erfahrungen erzählen, von dem Unrecht, dass den Ureinwohnern Nordamerikas wiederfährt, von den starken Frauen und Männern, die versuchen dagegen anzugehen. Wir können Toni und Byron schreiben und für sie beten. Ihnen immer wieder zeigen, dass wir als Partner neben ihnen stehen und nicht über ihnen, wie es damals die ‚Endecker Amerikas‘ taten. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und haben Geschichten über Diskriminierung und unterdrückte Kultur gehört, genauso wie Geschichten von Tradtition und Familie. Jetzt sind wir an der Reihe es weiterzusagen und wie Byron es ausdrückte ‚als Megaphon‘ zu fungieren.

Wir leben in Deutschland ein ziemlich priviligiertes Leben, das sollte uns bewusst sein. Wir müssen nicht tausende von Euro Zahlen um zu studieren oder meilenweit fahren um Wählen zu gehen. Handyempfang gibt es (fast) überall, genauso wie Medien, die neutral berichten und nicht einen Politiker bevorzugt unterstützen und den anderen systematisch fertig machen. Da kann sich ruhig jeder und jede an die eigene priviligierte Nase packen (auch ich!) und dankbar sein.

Es war eine interessante und wünderschöne Reise voller netten Leuten und coolen Begenungen, es besteht also dringender Wiederholungsbedarf!

Auf Lakota sagt man nicht ‚Goodbye‘, sondern ‚bis wir uns wiedersehen‘, daher freue ich mich auch hier im Flieger nach Düsseldorf, schon jetzt darauf.

Claire Brown

PS: In der nächsten Oipod-Sendung gibt es bald ein Exklusiv Interview mit uns 😉 Und sobald Don die Videos fertig hat sogar bewegte Bilder!

Mission Meeting

Vorgestern sind wir zu dem Mission Meeting der UCC Churches der Reservate in South Dakota gefahren. Dort haben wir viele nette Menschen getroffen und haben einige interessante Predigten gehört. Gleichzeitig hatten wir auch die Chance auf eine Kanutour zu gehen, oder bei einer Demonstration gegen den Bau einer Pipeline, die durch das gesamte Reservat gehen und unter anderen an der einzigen Frischwasserversorgung -dem Missouri River- gebaut werden soll. Ich habe mich für die Kanutour entschieden und bin mit ca. 15 anderen Kinder und Jugendlichen zum nahegelegenen Fluss gefahren und habe dann eine ca. zweistündige Paddeltour durch die Natur unternommen. Jedoch blieb die Kanutour nicht ohne ‚Unfälle‘, sodass mir abends wegen meiner nassen Klamotten echt kalt wurde. Demnach war ich sehr froh, dass wir uns bald darauf auf den Weg in das Motel gemacht haben.


Am nächsten Tag sind wir nach einem herzhaften Frühstück in einem Diner erneut zu dem Mission Meeting gefahren, um an der Morgensandacht teilzunehmen. Wir blieben noch kurz zum Mittagessen und mussten uns dann aber auf den Weg machen, da der lange „Heimweg“ zurück nach Sioux Falls bevorstand. Jedoch haben wir vorher noch einen Zwischenstopp an dem Memorial des Sitting Bull, einem berühmten Indianerhäuptling gemacht. Nach über sechs Stunden Heimfahrt und mehrern Pipipausen kamen wir dann in Sioux Falls an und so langsam hieß es: Abschied nehmen. Denn gestern war der letzte offizielle Abend des Partners in Peace Programms. Heute hat sich unsere Gruppe dann endgültig aufgelöst: die Pennsylvanier sind heute morgen (natürlich nach herzlicher Verabschiedung) als erstes abgefahren. Der Rest hat sich dann auf den Weg zum Flughafen gemacht und dort haben sich unsere Wege dann auch getrennt. Nun sitze ich in meinem Hotelzimmer in Chicago und geniesse unsere letzte Zeit in den Vereinigten Staaten. Die Zeit ist schneller vorbeigegangen als ich dachte- vielleicht sogar ein bisschen zu schnell. Aber ich freue mich darauf nach Hause zu kommen, um meinen Freunden und meiner Familie von all meinen Erlebnissen zu berichten.

Jenny Aden

Von Kirche zu Kirche


Donnerstag

Auf dem Weg von Bridger nach Pierre, der viertgrößten Stadt und Hauptstadt South Dakotas, hielten wir an zwei Reservatskirchen. Beide waren natürlich auf ihre eigene Art und Weise perfekt, aber sowohl im Hinblick auf Zustand und Ausstattung als auch der Lage, wirklich mitten im Nirgendwo und nur über Schotterpisten erreichbar, nicht mit deutschen Kirchen vergleichbar. Der Weg führte uns allerdings nicht direkt nach Pierre, sondern zunächst nach Little Eagle, wo wir für das diesjährige Mission Meeting, eine Art Landeskirchenratssitzung, der South Dakota Conference ein großes Zelt aufbauten. Das Areal ist sehr schön, allerdings gibt es in den beiden Gebäuden kein fließend Wasser und keine sanitären Anlagen, dafür aber ein schön gelegendes Plumpsklo ohne Tür. Von Little Eagle aus ging es dann innerhalb von zwei Stunden nach Pierre wo wir in zwei Nächte in einem Motel übernachtet haben.


Freitag

Nach dem Frühstück heute Morgen sind wir zur First Congregatonal Church gefahren. Allerdings mit eingebautem Umweg über einen Staudamm, der den Missouri vor Pierre aufstaut. Der Stausee hat einiges an Land der Sioux Stämme verschluckt auf dem unter anderem eine Missionskirche stand, die vor der Flutung allerdings versetzt und heute auf dem Staudamm besichtigt werden kann. Nach unserer Ankunft an der Kirche haben wir die letzten Stunden mit Jacquie verbracht, in denen sie mit uns Erlebtes reflektiert, Handlungsvoschläge gegeben und von eigenen Maßnahmen erzählt hat, mit denen sich Unrecht bekämpfen lässt. Nach dem Mittagessen ging es für sie dann zum Flughafen und für den Rest der Gruppe zum Kultur Museums South Dakotas. Dort wurde zunächst über das Leben der Sioux berichtet, dass sogar erstaunlich nüchtern und neutral, danach ging es aber sehr patriotisch weiter. Vom Museum aus ging es für Steak und Burger zum Cattleman’s Club und danach für Kultur zu einem Pow Wow. Ein Pow Wow ist simpel erklärt eine Art Festival auf Indianisch, mit Essen, Tanz, Musik und Wettkampf. Auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung die Kultur der Ureinwohner nahezu unverfälscht erleben zu dürfen.

Jan Kock

Wounded Knee


Heute darf ich (Claire) mal an die Tastatur. Die letzten Tage haben wir viele Museen besucht und viele Monumente oder Institutionen gesehen. Was vielleicht nicht in unseren Bericht deutlich wird, ist die Tatsache, dass um all diese spanneneden Orte zu besuchen, wir viel Zeit in zwei großen weißen Vans verbringen. Distanzen sind einfach ganz anders als in Deutschland. Um beispielsweise zum Devils Tower zu gelangen sind wir ganze sechs Stunden gefahren. Dennoch ist es nicht verschwendete Zeit. Die Autofahrten geben uns die Möglichkeit zum sacken lassen und begreifen. Immer wieder kommen Themen wie Rassismus, Politik und kulturelle Eigenarten zur Sprache. Partners in Peace findet also definitiv auch während der langen Autofahrten statt! 

Am Dienstag besuchten wir die Gedenkstätte zum Massaker am Wounded Knee. 1890 wurden ca. 150 Native Americans von der US. Army ermordet. Die Stätte ist klein. Es gibt einen grauen Mamorstein, der in einem abgezäunten Bereich eines kleinen Freidhofs mitten in den Badlands steht. Innerhalb dieses Zaunes befindet sich das Massengrab. Es gibt kein Museum nur eine Infotafel, die die Natives selber aufgestellt haben, denn die US Regierung hat das Massaker nie als solches anerkannt. Toni erzählte uns, dass es immer noch „Medalls of Honour“, Auszeichnungen für besondere Leistungen, für die Soldaten von damals gibt. Nie wurden ihnen diese Auszeichnungen aberkannt und den Natives die Ermordung ihrer Leute anerkannt. Wieder im Van machen wir unserem Unverständnis Luft. „Wieso gibt eine Regierung nicht zu, dass sie Unrecht getan hat?“ Beispiele wie der deutsche Genozid in Namibia oder der Genozid in Ruanda werden diskutiert. Am Abend geht es bei unserer Gesprächsrunde nur mit den Jugendlichen (uns begleiten acht Erwachsene) unter Anleitung von Jackie, einer Youth Minister der UCC, genau um dieses Thema. Was muss passieren, damit ein Unrecht, wie etwa die Vertreibung der Natives wieder gut gemacht werden kann? Ist es überhaupt möglich ein Unrecht gut zu machen?

Die Zeit mir Jackie ist sehr spannend. Wir besprechen die Nutzung eines Native American Abbildes als Football-Maskottchen und eine Veröffentlichung von Toni zur „Doctrine of Discovery“ (Lehre der „Entdeckung“ Amerikas). Immer wieder kommen Motive auf, die auch in der Weltgeschichte nicht unbekannt sind. Die Ignoranz der westlichen Mächten, die glauben, dass ihre Art und Weise zu leben die einzig Richtige sei und dass sie allen anderen Völkern überlegen seien und daher auch über sie bestimmen dürfen. Von diesem Denken kann man sich selbst auch nicht freisprechen. Vor Jahren gab es einmal eine Gruppe, so wie wir, die helfen wollten und im Reservat Spielplätze gebaut haben. Ein Jahr später war von ihnen nichts mehr übrig, da die Anwohner das Holz aus dem die Geräte gemacht waren, viel mehr brauchten als die Spielplätze. Die Gruppe meinte zu wissen, was die Leute brauchten. Aber sie hörten Ihnen nicht zu, haben sie vielleicht nicht einmal gefragt was sie wollten, ob sie überhaupt etwas wollten. Toni und Jackie haben uns zu verstehen gegeben, dass wir nicht hier sind um etwas zu tun. Wir sind nicht hier um die Welt zu retten. Wir sind zunächst einmal hier um zuzuhören was die Leute um uns herum zusagen haben. Was kann ich von Toni und ihrem Mann Byron, was von ihrer neunjährigen Enkelin Onia oder von Peter und Julie, die schon 20 Jahre die Tour machen, lernen? Was kann Jordan einem darüber erzählen wie es ist als Afro Amerikaner in den USA von heute aufzuwachsen, dass dieses Jahr von Blacklivesmatter Bewegungen und einem Präsidentschaftskandidaten wie Trump geprägt ist? Was kann ich von einer UCC Kirche lernen, die sich selbst als Justice Church bezeichnet? Und vielleicht auch noch wichtig: Was kann ich über meine persönliche Art wie ich mit Menschen umgehe und wie ich über sie denke, lernen? 
Auf dem Weg zur nächsten Unterkunft bestaunen wir noch die Schönheit der Badlands. Bei Wounded Knee gibt der Boden nicht viel mehr her als zähes Gras und sonderbare Felsformationen. Aber im Nationalpark der Badlands kann man rot-beige gestreifte Berge bewundern und auch besteigen. Atemberaubend. 
Abends kommen wir dann endlich in Bridger, einem kleinen Ort im Reservat an. Hier arbeitet Byron, als Pastor der kleinen 23-Familien-Siedlung. Den Mittwoch verbringen wir in der kleinen Kirche und dem zugehörigen Gemeinderaum. Im Hof laufen die Pferde frei herum, die Byron nutzt um den Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung das Reiten beizubringen. Er fährt jeden Tag zwei Stunden von Eagle Bute, welches mitten im Cheyenne River Reservat liegt, nach Bridger, welches an dessen Rand liegt, um dies zu tun. Abends dürfen wir auch reiten. Dabei lassen Kisa und Angel, Byrons Enkel und sein Freund, uns auf den Pferden alt aussehen. Mühelos treiben sie die Pferde zusammen, während wir bemüht sind, sie am Fressen zu hindern. Es war gefühlt der längste aber ruhigste Tag bisher, vor allem weil es ca. 38 Celsius Grad warm war. 

Am Donnerstag geht es wieder weiter, nach Pierre der Hauptstadt South Dakotas. 

Claire Brown

Toni Buffalo


„You are standing on sacred indian land – Herzlich Willkommen auf unserem heiligen Land“ begrüßt uns Toni Buffalo, eine amerikanische Ureinwohnerin vom Volke der Lakota. Sie begleitet unsere Gruppe für einige Tage zusammen mit ihrer Tochter und zwei Enkeln. Am Vormittag erzählt Toni, wie schwer es ihr selbst fiel, sich mit ihrer Identität auseinanderzusetzten. Ihre Eltern hatten sie nur in englischer Sprache erzogen, damit sie mit den Weißen auf Augenhöhe kommunizieren kann. Ihre Traditionen und Kultur waren lange Zeit durch die USA verboten, erst 1973 wurde ihnen z.B. wieder erlaubt, ihre Religion zu leben. „Eine Sprache verliert man nicht wie man seine Brille oder Schlüssel verliert.“ erklärt Toni. „Erst wenn sie über Generationen hinweg systematisch gewaltsam verboten wird, gerät sie in Vergessenheit.“ Heute legt sie viel Wert darauf, dass ihre Kinder und Enkel wieder die Sprache Lakota lernen und dass die Traditionen des Volkes gelebt werden. Sie will nicht, dass amerikanische Indianer als historisches Phänomen oder romantische Schamanen gesehen werden. Sie leben in der Gegenwart und kämpfen immer noch gegen aktuellem Rassismus und Unterdrückung. Viele leben in Reservaten, auf unfruchtbarem Land, auf dem sie ihre traditionelle Lebensweise nicht weiterführen können. Alkohol und eine erschreckend hohe Selbstmordrate sind nur einige Hinweise darauf, dass das Unrecht der letzten Jahrhunderte noch immer anhält. Trotz all dieser Probleme engagiert sich Toni in der UCC – Kirche. Obwohl die Kirche viele Gräueltaten gerechtfertigt hat, hat sie hier einen Ort gefunden, an dem sie Verbündete im Kampf für Gerechtigkeit findet. Ich bin tief beeindruckt von dem Selbstbewußtsein und der Ausstrahlung dieser Frau. 

Claudio Gnypek